Große Größen Katalog und dünne Models

Sonntagmorgen kurz vor Elf, ach nee heute Nacht wurde ja die Uhr umgestellt, also ist es eine Stunde früher, yay der Tag ist noch früh.
Also Sonntagmorgen kurz vor Zehn. Ich sitze auf dem Klo und lese Katalog. Ich lese am stillen Örtchen oft irgendwas. Was da gerade so rumliegt. Meist irgendwelche Science Fiction Literatur, die mein Mann hat liegen lassen.
Diesmal aber habe ich mir einen neuen Klamottenkatalog mitgenommen. Bisschen Bilder gucken. Ist nicht so anstrengend wie lesen, es ist ja schließlich auch noch total früh am Morgen. Ich bin ja gerade eben erst aus dem Bett gefallen. Der Kaffee wirkt noch nicht.

“Ah, das ist schön.”, “Oh, wie süß!”, “Hippiestile, warum nicht? Der Jumpsuit sieht bequem aus.”. So sitze ich da, gucke mir die Bilder an und stelle mir vor, wie gut ich demnächst aussehen werde. Und da passiert es. Das Unvermeidliche. Die Dinge, die da kommen und einen unvorbereitet am frühen Morgen treffen. Ich gucke in den Spiegel!
All meine Träume einer hippen, gutaussehenden, sexy Frau zerbröseln zu Asche. So als hätte jemand in Graf Draculas Gruft das Sonnenlicht eingeschaltet. Ich verwandele mich in einen Haufen graues Etwas,  Wind kommt auf und bläst mich und meine Überreste davon.

Tja, das war´s dann wohl mal wieder. Katalog weglegen und Zähneputzen gehen.
Doch diesmal lässt mich das Thema nicht in Ruhe. Mein Gehirn fängt an zu rattern. Ein altes mechanisches Gehirn, erst ganz langsam, weil das Schmiermittel Kaffee immer noch fehlt, dann immer schneller. Heraus kommt der Gedanke, warum sehe ich da keine Frau in meiner Größe? Warum nehmen die bei einem Kleidergrößenangebot von Größe 40 aufwärts unbedingt eine Größe 40 als Model?
Weil sie es können? Weil es gut aussieht? Weil…..? Keine Ahnung!

Was passiert bei mir?
Ich bin ja schon froh, dass sie kein Model Größe 32 ausgesucht haben, aber im Endeffekt ist es egal.
In meinem, jetzt schon auf Lochkarten umgestellten, Gehirn läuft jetzt folgendes ab.
Ich sehe die Kleidungstücke. Sie gefallen mir. Ich kann mich sogar darin vorstellen. Also überlege ich hin und her, guck in mein Portemonnaie, ob die hübschen Sachen aus dem Katalog finanziell drin sind. Ich bestelle. Warte, warte , warte…..warte noch ein bisschen….warte weiter. Zwei Tage können ganz schön lang sein. Gut, dass es Sendungsinformationen gibt. Warte noch mal ein bisschen. Der Postmann klingelt, nein nicht zweimal, das ist was anderes. Er klingelt einmal, mein Hund rennt an die Tür und ich renne hinterher. Hurra! Mein Paket ist da!
Ich schleppe mein Paket also ins Haus, mache es auf und probiere die Sachen gleich an. Ich habe ja schließlich zwei volle Tage darauf gewartet.
Stelle mich vor den Spiegel und……..und…..äh….
Aber, ich sehe gar nicht so toll, schlank, groß, hipp oder sexy aus, wie die Person im Katalog, die zufällig mein Gesicht hat, aber nicht meinen Körper.
Tagträumereien.
Ich finde mich doof in dem neuen Outfit. Wo ist denn auf einmal die sexy Taille hin? Warum fällt die Hose nicht so schön locker, wie ich es gesehen habe? Das T-Shirt ist auch irgendwie anders, kein toller Ausschnitt mit lockendem Busen drunter? Also, alles in Allem, irgendwie ganz, total, absolut anders.
Ich bin enttäuscht, packe die Sachen in die Kiste, mache den Rücksendeaufkleber drauf und schicke es zurück. Wenn mein Mann mich nach meinem Paket und den neuen Kleidern fragt, dann murmele ich irgendetwas in meinen nicht vorhandenen Bart und wechsle das Thema.

Was ist also das Problem mit den Katalogen und mir?
Ich habe kein Problem, die Kataloge haben eines. Sie wecken eine Erwartung durch die Bilder eines schlanken Models, dass die Kleidungsstücke allein nicht halten können. Und deshalb schicke ich die Sachen zurück und die Firma macht keinen Umsatz.

Ich habe beim Online-Shoppen und Blog-Lesen gesehen, dass manche Firmen ihre Kleider zur Verfügung stellen, damit eine Normalfrau sie ausprobieren kann. Das gefällt mir. Die Bilder finde ich gut. Eine Frau weit jenseits der Größe 40 trägt die Kleider und auf einmal stelle ich fest, dass ich das auch anziehen könnte. “Boar, mit den Hüften trägt Die das Kleid?”, “Hey, Die könnte sich schon mal die Haare machen. Aber jo, die Farbe ist schön und sieht gar nicht so doof aus.”, “Der ihr Bauch ist genauso dick wie meiner. Wenn die sich traut, könnte ich ja auch mal.” Fazit: “Wenn es bei Der gut aussieht, warum nicht auch bei mir.”

Was wäre also die Lösung?

Eine Lösung, die für mich funktionieren würde.
Man fotografiert die Kleider zwei mal. Einmal Größe 40 und einmal Größe 48 oder 50 oder 52 oder egal, einfach größer. Stellt die beiden Frauen nebeneinander und jeder potentielle Kunde hat einen Eindruck, wie er aussehen könnte.
Klar kostet das erst mal mehr. Aber dann schicke ich vielleicht nicht mehr so viele Sachen zurück, weil ich enttäuscht bin, das ich nicht so aussehe wie das Model in Größe 40.

Nachtrag:
Ich habe die Tage nach Vintage Mode -lustige Kleider aus den 50ern- gegoogelt und tatsächlich einen Hersteller gefunden, der ein normales Model neben ein plus size Model gestellt hat. Und ratet mal welche der Beiden besser aussah…..

 

P.S. wie man sieht, Entschuldigung, liest, habe ich den Text vor vier Wochen geschrieben. Tut dem Inhalt keinen Abbruch. Meist feile ich an meinen Artikeln etwas länger rum und lasse sie zwischendurch auch mal setzten.
Eure Dorit

4 comments on “Große Größen Katalog und dünne ModelsAdd yours →

  1. Hehe, wahre Worte! Ich frag mich das auch immer und stell mir dann vor wieviel Stoff die Mädels im Rücken zusammengesteckt bekommen… Was mich auch wundert, ist das sehr häufig alles was ich gut finde in meiner Größe nicht mehr verfügbar ist. 40,42,44 da…alles andere nicht verfügbar!

    1. Oh, ja kenne ich. Man sieht was tolles, denkt “Oh, super für mich!” und dann die Enttäuschung, es ist in meiner Größe nicht mehr da. Das Erlebnis habe ich oft beim BH kauf.

  2. du schreibst mir da aus der Seele, ich denk dann immer “hab ich was anderes bestellt als abgebildet?”…mir vergeht dadurch die Lust aufs Shoppen und Mode insgesamt

    1. Als meine letzte Bestellung kam, habe ich den weltbesten Ehemann dazu verdonnert, mich in allen neuen Teilen zu fotografieren. Das war sehr interessant. Im Spiegel beguckt man sich doch ganz anders als auf Fotos. Ich habe dann doch das Meiste behalten 🙂

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